Alternativen zum Stage-Gate-Prozess der Innovation

(23.01.2014)

Die Komplexität der Innovation.

Nichtlinearität und Arbeitsteiligkeit gelten als die wichtigsten Ursachen der Komplexität von Innovationen” schreibt Norbert Thom 1992 in einer Schrift über Innovationsmanagement, sowie dass vereinfachte Menschenbilder der Managementtheorie zu vereinfachten Annahmen führten, wie Menschen in Organisationen funktionieren. Ich sehe darin eine Ursache für die einfachen linearen Modelle für Abläufe und Prozesse.

In diesem wie auch in einigen Artikeln anderer Autoren wird die Anpassungsfähigkeit des Innovationsprozesses an die Dynamik konkreter Situationen gefordert. Die Lernfähigkeit des Menschen sei genauso zu berücksichtigen wie die Unsicherheiten, die aus radikalen Innovationen entstehen. Unsicherheiten und lange Vorlaufzeiten würden beim linearen Prozess zum Abbruch von radikalen Innovationsvorhaben führen, selbst wenn diesen ein hohes Potenzial innewohne. Risikomanagement erfordere natürlich Zeitpunkte zur Bewertung der Ergebnisse, Einschätzung des weiteren Vorgehens bzw. der bestehenden Chancen und Risiken und daraus abgeleitete Entscheidungen. Aber diese Entscheidungen dürften nicht unumstößlich sein und selbst das entstehende Produkt möge man nicht zu früh festschreiben.

Zyklische Innovationsprozessmodelle

Value Proposition Cycle nach Hughes

Value Proposition Cycle nach Hughes

Aus diesen Erkenntnissen heraus wurden verschiedene Prozessmodelle entwickelt, denen vor allem zyklische Elemente gemeinsam sind, die der Beseitigung von Unsicherheit dienen. Als Beispiel sei eines der älteren Modelle angeführt, der Value Proposition Cycle nach Hughes (1996). Dieser definiert vier Schleifen, in welchen der Wert einer Innovation für das Unternehmen, den Markt und die Wettbewerbsfähigkeit, sowie die Machbarkeit untersucht bzw. gesteigert werden soll. Der Zyklus wird solange fortgeführt, bis ausreichend Sicherheit gewonnen ist.

Explizit dargestellt wird die Zunahme an Sicherheit von diversen Spiralmodellen, nach deren Vorgabe die größten Hürden zuerst behandelt werden und erst mit steigender Erfolgschance der Mitteleinsatz zu erhöhen sei. Alle diese Modelle stammen aus der Produkt- oder Sofwareentwicklung und verfolgen einen technischen Zugang zum Thema Innovation.

Design Thinking

Innovationsprozess nach Hasso Plattner (Design Thinking-Ansatz)

Innovationsprozess nach Hasso Plattner (Design Thinking-Ansatz)

Völlig anderer Herkunft ist der Design Thinking-Ansatz. Er geht vom Verständnis der Bedürfnisse von Menschen aus, fragt zuerst nach der Attraktivität einer Lösung für Menschen und integriert erst danach die technische Machbarkeit und die wirtschaftliche Durchführbarkeit. Auch der Design Thinking-Ansatz ist in Phasen gegliedert. Die ersten drei (“Verstehen”, “Beobachten”, “Synthese”) verhelfen zu einem möglichst gründlichen Gesamtbild der Ist-Situation. Erst danach erfolgt die Suche nach Lösungen (“Ideen”, “Prototyping”, “Testen”). Je nach Bedarf kann aber jederzeit zu jeder Phase gewechselt werden, wie die nebenstehende Darstellung des Innovationsprozesses nach Hasso Plattner zeigt.

Jüngere Artikel bezeichnen den Design Thinking Ansatz übrigens als gut geeignet für die Innovation von Dienstleistungen und Geschäftsmodellen.

Mit diesem Beitrag ist die Übersicht über Innovationsprozesse in der Literatur vorerst beendet. Es könnte sich aber lohnen, den einen oder anderen Aspekt genauer zu betrachten. Meine Master Thesis zeigt auch noch andere zyklische Prozesse in einer zusammenfassenden Darstellung.

Die in diesem Beitrag angeführten Aussagen sind hier etwas genauer nachzulesen: Alternative Ansätze.