Chronobiologie

(29.11.2013)

Ein Seitenblick auf Zyklen (Rhythmen, Schwingungen) im menschlichen Körper.

Spektrum der biologischen Rhythmen

Spektrum der biologischen Rhythmen
(Quelle: Moser et al. 2008, S.30, in Abänderung von Hildebrandt et al. 1998 – s. Literaturverzeichnis)

Wie schon in einem früheren Beitrag erwähnt, bin ich völlig zufällig und ungewollt auf die Chronobiologie gestoßen, die dann mitbestimmend für die Themenwahl meiner Master Thesis (MT) war. Den Anstoß gab ein Vortrag von Prof. Maximilian Moser vom Joanneum Research in Weiz über die zahlreichen Körperrhythmen und ihre Auswirkung auf die Gesundheit des Organismus, sowie über eine interessante Messtechik, die die Zusammenhänge sehr schön sichtbar macht.

Moser bezeichnet diese Rhythmen als Orchester im Körper, dessen Schwingungen von den Nervenimpulsen im Millisekundenbereich über den Reproduktionszyklus (vier Wochen) bis zu den Jahreszeiten reichen und somit – musikalisch betrachtet – insgesamt 48 Oktaven umfasst. Nebenstehendes Bild zeigt diese Körperrhythmen.

Im Wesentlichen zeigt die Chronobiologie auf,

  • dass in lebendigen Organismen Leben und Entwicklung ausschließlich in rhythmischen Vorgängen stattfindet,
  • dass eine Abwechslung von Belastung und ungestörten Ruhephasen wesentlich für die Gesundheit und damit die Arbeitsfähigkeit und Produktivität sind,
  • und dass die inneren Rhythmen mit den äußeren zusammenhängen, die Gestaltung von Arbeitsprozessen somit Einfluss auf das Befinden der daran Beteiligten hat.

Welche Rückschlüsse lassen sich daraus auf den Innovationsprozess ziehen?

Zunächst bestätigen diese Erkenntnisse ein Grundprinzip der Projektmanagementmethode Scrum, die am Ende jedes Zyklus (genannt Sprint) eine Rückschau vorschreibt. Die Hauptphasen sind Planen – Realisieren – Testen – Abnehmen – Rückschau/Retrospektive.

Und manche Autoren empfehlen vor dem Beginn des nächsten Zyklus auch eine Erholungsphase (d.h. das arbeitsfreie Wochenende). In der “reinen Lehre” von Scrum sind auch Überstunden verpönt, da die agile Arbeitsweise herausfordernd und anstrengend ist, Abend und Nacht daher dringend notwendig für die Erhaltung der Produktivität sind.

Aber auch Abnahme und Rückschau sind vordergründig unproduktive Phasen, in denen nichts mehr erzeugt sondern Feedback eingeholt wird. Bei der Abnahme gibt der Kunde Feedback, ob das Produkt seinen Anforderungen entspricht, und bei der Rückschau geben die Teammitglieder einander Feedback über ihre Zusammenarbeit und Effektivität.

Ein rein linearer Innovationsprozess kann also unmöglich das Nonplusultra sein. Das zeigt sich schon daran, das Prüfschritte nötig sind zur

  • Überprüfung des Nutzens von Aktivitäten bzw. deren Ergebnissen
  • Abgleichen von Aktivitäten gegenüber der Strategie
  • Abgleichen der Strategie gegenüber den Herausforderungen der Umwelt
  • bewusstes Einbeziehen der Außenwelt (s. “open innovation”)

Allgemeiner ausgedrückt: das Auf und Ab der Körperrhythmen lässt sich in eine Abfolge von Experimentieren und Lernen aus den Ergebnissen übersetzen, die letztlich zu erfolgreichen Innovationen führt.

Hier finden Sie das Kapitel der MT über Chronobiologie

Was hat es nun mit dem Innovationsprozess tatsächlich auf sich? (Fortsetzung folgt)

Übrigens: Der SpinnRaum bietet mit den Lessons Learned das Workshopformat für die Rückschau an.