Der Stage-Gate-Prozess nach Cooper

(6.12.2013)

Im Anfang war ein linearer Prozess.

Die erste Stage-Gate®-Version brachte Risikomanagement in Innovationsvorhaben ein, weitere erhöhten Mächtigkeit und Flexibilität. Die lineare Darstellung bleibt.

In den 1960-er Jahren begann in den USA die Entwicklung eines Innovationsprozesses. Auslöser war der Militär-Industrielle Komplex, der die Zusammenarbeit zwischen dem Auftraggeber (und Geldgeber) Militär und dessen Lieferanten standardisieren wollte. Das Militär wollte die Zwischenergebnisse der (teuren) Arbeit der Lieferanten beurteilen und jeweils über die Weiterführung entscheiden. Also wurde ein Prozess definiert, der aus mehreren, wohldefinierten Phasen bestand, zwischen denen sich Entscheidungspunkte für das Management befanden. Damit war der Stage-Gate®-Prozess geboren, wenngleich lt. Cooper der Name erst 1988 geprägt worden sei.

Übrigens: Zur gleichen Zeit und wohl aus dem selben Grund wurde auch der Wasserfallprozess der Softwareentwicklung geschaffen, der heute noch nicht ganz von der agilen SW-Entwicklung verdrängt worden ist. Auch hier war das Ziel, Sicherheit zu schaffen und das Risiko zu minimieren, in dem nach bestimmten Schritten die Zwischenergebnisse überprüft werden: Entwurf (grob, fein) – Programmcode – Test (Detailkomponenten, Gesamtheit).

Stage-Gate-Prozess der 2. Gen.

Stage-Gate-Prozess der 2. Gen.
(Quelle: ISN/Donau-Universität Krems, Folien zum Lehrgang Innovationsmanagement. Inhaltlich identisch mit Cooper 2010, S.146)

Dieser Prozess zeigte sich als zu unflexibel und zu einseitig auf die Entwicklung ausgerichtet. Daher unterstützten bald verschiedene Disziplinen wie Marketing oder Produktion die Entwicklung. Außerdem wurde die Überlappung der Phasen zugelassen und Kriterien wurden für die Entscheidungen definiert, sodass diese vorhersehbar wurden, bzw. die dafür nötigen Grundlagen geschaffen werden konnten.

So entstand der Stage-Gate-Prozess der 2. Generation (siehe Bild). Auf diverse Voranalysen (technischer und wirtschaftlicher Natur) folgt die Entwicklung von Prototypen, die dann getestet und zur Serienreife gebracht werden. Parallel werden Serienproduktion und Vermarktung vorbereitet. Schließlich wird das Produkt in den Markt eingeführt und zuletzt regulär produziert und vermarktet.

Die dritte Generation ist eine qualitative Weiterentwicklung. Die o.g. Disziplinen arbeiteten nun in bereichsübergreifenden Teams zusammen, um Fähigkeiten und Erfahrungen optimal zu ergänzen. Weitere Überlappungen von Phasen und das Vorziehen lange dauernder Aktivitäten sollten (Durchlauf-)Zeit sparen helfen ohne das Risiko zu erhöhen. Ziel war ein Prozess, der so gestaltet war, dass er auch gelebt werden konnte und (hier grinst der ehemalige Qualitätsmanager) nicht umgangen werden musste. Er sollte helfen und nicht aufhalten. Er sollte an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden können. Er sollte wettbewerbsfähige, auf Markt und Kunden ausgerichtete Produkte hervorbringen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Coopers Stage-Gate®-Prozess ein durchaus erfolgreicher Versuch war, Neuland mit System zu betreten und das dabei entstehende Risiko zu managen. Gelöst wurde dies durch definierte Phasen und dazwischen liegende Entscheidungspunkte.

Stage-Gate® is a registered trademark of the Product Development Institute Inc.

Hier ist das entsprechende Kapitel (MT-2-2.2.1-Prozess-engl) zum Nachlesen (samt Einleitung).
Quellenangaben stammen aus dem Literaturverzeichnis.