Scrum und andere zyklische Prozesse (aus meiner Master Thesis)

(03.04.2014)

Alte und neue zyklische Prozesse.

Scrum, Effectuation, Dragon Dreaming… Schon in der Einleitung zu dieser Artikelserie erwähnte ich zyklische Prozesse, auf die ich schon früher gestoßen bin. Einige davon stellte ich beispielhaft auch in meiner Master Thesis über den Innovationsprozess vor.

Der für mich bedeutendste Prozess davon ist

Scrum

Rugby-Spielzug Scrum

Rugby-Spielzug Scrum
(Quelle: Fotolia)

die Projektmanagementmethode der agilen Softwareentwicklung.

Kern der Methode ist, in kurzen Zeitabschnitten Produktinkremente fertigzustellen, die funktionieren und dem Kunden Nutzen stiften. Das hat den Vorteil, dass sich Diskussionen und Kritik am Produkt (oder Produktteilen) und nicht an Plänen und Dokumenten entzünden. Alles andere wird dem untergeordnet.

Übrigens stammt der Name Scrum aus dem Rugby-Spiel und bezeichnet einen komplizierten Spielzug, der disziplinierte Teamarbeit erfordert (s. Bild aus Boris Gloger, Scrum: Produkte zuverlässig und schnell entwickeln)

Scrum hat ein paar typische Eigenschaften, Rollen und Grundregeln:

  • Die Anforderungen an das gewünschte Produkt werden im Product Backlog beschrieben, zunächst grob, aber ausreichend um ihre Bedeutung und Stellung im Gesamtprodukt zu beschreiben. Später werden sie verfeinert, sodass ausreichend Informationen für die Entwicklung gegeben sind. Verantwortlich für das Product Backlog ist der Product Owner als Vertreter/in des Kunden. Einzelne Anforderungen stehen in Backlog Items.
  • Gearbeitet wird in Sprints. Das sind Projektabschnitte mit einer fix vorgegebenen Dauer und Struktur: Planung – Entwicklung/Test – Abnahme – Retrospektive. Jeder Sprint ist gleich aufgebaut und gleich lang. Die Dauer eines Sprints wird zu Projektbeginn vorgegeben und bleibt während des Projekts unverändert.
  • Das Produkt wird von einem (oder mehreren) Scrum Team(s) entwickelt. Ein Scrum Team besteht aus Menschen, die zusammen über alle notwendigen Fähigkeiten zur Fertigstellung des Produkts oder der Produktkomponente besitzen (Entwicklung, Test, Tools, Fach-Know-how, etc.). Während des Projekts bleibt das Scrum Team möglichst unverändert. Das Team wird vom Scrum Master moderiert, der/die
    • für die Arbeitsfähigkeit des Teams sorgt,
    • die (einzige) Schnittstelle nach außen darstellt,
    • die Einhaltung der Regeln und den Projektfortschritt überwacht und
    • alle Besprechungen des Teams moderiert.
  • Zu Beginn jedes Sprints werden die jeweils wichtigsten Items des Product Backlogs in das Sprint Backlog übernommen. Zusätzlich werden in das Sprint Backlog Aufgaben aufgenommen, die der Arbeitsfähigkeit des Teams dienen, wie Verbesserungsmaßnahmen, Tool-Entwicklungen, Beseitigung von Hindernissen, etc. – in einem Ausmaß, das im Sprint bewältigt werden kann. Während des Sprints sind Veränderungen am Sprint Backlog von außen unzulässig.
  • Am Ende jedes Sprints erfolgt eine Abnahme der Ergebnisse durch den Product Owner. Nur fertige Ergebnisse werden abgenommen, was als “fertig” gilt, wurde zu Beginn definiert (“done criteria“). Unfertige Teilergebnisse werden in den nachfolgenden Sprint verschoben und zählen für den abgelaufenen Sprint nicht. Eine “Verlängerung” des Sprints zur Fertigstellung “fast” fertiger Ergebnisse ist nicht zulässig (feste Sprint-Dauer).
  • Nach der Abnahme erfolgt eine Retrospektive zur Betrachtung der Zusammenarbeit, ihrer Qualität und Effizienz. Verbesserungspotenzial führt zu Maßnahmen, die in den darauf folgenden Sprints umgesetzt werden (zusätzliche Backlog Items).

Den wichtigsten Begriffen von Scrum widme ich die nächsten Einträge in meinem Lexikon (FAQ), Kategorie “Scrum”.

Deming-Rad

Deming-Rad

Weitere “technische” Prozesse

Effectuation habe ich hier schon dargestellt.

Kurz habe ich auch das Deming-Rad erläutert, in der Sammlung der älteste zyklische Prozess. Plan – Do – Check – Act (PDCA) ist die abgekürzte Form und bedeutet, dass eine Verbesserung (oder Veränderung) zuerst zu planen und dann auszuführen sei. Danach solle ihre Wirkung überprüft werden und daraus Konsequenzen abgeleitet und durchgeführt werden.

Anders gedacht…

sind “Dragon Dreaming” und das zyklische Gaia-Prinzip, die daher auch noch stark auf Skepsis stoßen, obwohl beide natürlichem, menschlichem Vorgehen nahekommen oder dieses zu Grunde legen.

Dragon Dreaming ist laut Autor James Croft von der Chaostheorie als auch uralten Weisheiten der australischen Aborigines abgeleitet. Es verbindet in den Phasen Dream – Plan – Act – Celebrate (DPAC) rechte und linke Gehirnhälfte als auch Theorie und praktisches Tun.

Das zyklische Gaia-Prinzip folgt den mitteleuropäischen Jahreszeiten und betont notwendige Ruhe- und Lernphasen zwischen den Phasen produktiver Arbeit. Der Atemrhythmus kann als Grundmuster gelten.

Das gesamte Kapitel über diese “Beispiele für zyklische/iterative Prozesse” stelle ich natürlich gerne zum Nachlesen bereit.